IAK Newsletter Milchproduktion 08/2018

von Barbara Streblow

Mandantenveranstaltung am 27.09.2018

 

Sehr geehrte Kunden der IAK Agrar Consulting,

das Jahr 2018 stellt aufgrund der monatelangen Trockenheit viele Betriebe vor große Herausforderungen, die Futterversorgung der Rinderbestände in den nächsten Monaten zu gewährleisten. Aus diesem Grund planen wir in unserem Haus für den 27.09.2018 eine Mandantenveranstaltung mit dem Titel

„Strategien zur Futterversorgung unter extremen Bedingungen“.

Sollten Ihrerseits spezielle Fragen zu dem Thema vorhanden sein, so bitten wir um eine kurze Mitteilung, sodass diese Hinweise noch einfließen können.

Vorab möchten wir Ihnen in kompakter Form einige allgemeine Informationen und Anregungen geben, wie durch die Anwendung verschiedener Maßnahmen auf die Situation reagiert werden kann:

Aktuell läuft in einigen Regionen die Ernte trockengeschädigter Silomaisbestände. Um größere Sickersaftverluste zu vermeiden, sollte der TS-Gehalt der Gesamtpflanze mindestens 28 % betragen.  Diese Kennzahl wird laut LKS-Labor Sachsen bisher in knapp 50 % der Proben erreicht. Auch in den Rohproteingehalten zeigt sich der Trockenstress – gut ein Drittel der Proben liegen unter 70 g/kg TS.

Beim Energiegehalt liegen 93 % der bisher untersuchten Proben unter 6,3 MJ NEL /kg TS. Aufgrund der mangelnden Kolbenbildung erreichen 77 % der Proben keinen Stärkegehalt von über 150 g/kg TS (normal wären 300 – 350 g/kg TS). Sicher sind diese Ergebnisse noch wesentlich durch extrem trockenheitsgeschädigte Bestände beeinflusst. Trotzdem sollte man sich frühzeitig darauf einstellen, Kraftfutterzukäufe tätigen zu müssen. Ebenso müssen mangels Masse Körnermaisbestände als Silomais geerntet werden. Die Zuckergehalte liegen in 63 % der aktuell analysierten Proben bei über 100 g/kg TS. Die Gefahr, nach der Siloöffnung mit einem explosionsartigen Hefewachstum konfrontiert zu sein, ist stark erhöht. Der Einsatz eines Siliermittels der Klasse 2 (Verbesserung der aeroben Stabilität) gegen Nacherwärmung erscheint in vielen Fällen angeraten.

Muss bei hochsommerlichen Temperaturen geerntet werden, sollte das Silo mindesten 40 Tage verschlossen bleiben, um einen akzeptablen Temperaturrückgang sowie einen teilweisen Zuckerabbau durch Milchsäurebakterien zu gewährleisten.

Die Bedeutung einer exakten Futterbilanzierung ist unter den Extrembedingungen hoch. Es gilt einzuschätzen, welche Tierbestandszahlen mit den zur Verfügung stehenden bzw. zu erwerbenden Futtermitteln bis zur kommenden Ernte versorgt werden können. Durch die teilweise vorgezogene Ernte beim Silomais verlängern sich zudem die Futtertage bis zur Ernte 2019. Das sollte bei der Planung unbedingt berücksichtigt werden.

Die ersten Proberodungen von Zuckerrübenbeständen in Sachsen und Brandenburg lassen Mindererträge von mindestens 20 % zum langjährigen Mittel erwarten. Chancen, die eigene Futtermittelbasis durch Zukauf von Rübenschnitzeln zu ergänzen, sind daher begrenzt. Betriebe mit Schlauchsilierung können durch den Einsatz eines Siliermittels in Zuckerrübenschnitzeln die Ruhezeit auf ca. 14 Tage verkürzen. Die Anwendung kann auf den Schlauch, der als erstes zur Verfütterung ansteht, begrenzt werden.

Betriebe mit akuter Futterknappheit sollten auf bestehende Angebote achten. So werden in der aktuellen Ausgabe der Bauernzeitung KW 33 über 270 ha Silomais ab Feld angeboten. Ebenso sind die Futtermittelbörsen der Bauernverbände eine Option.

Weitere Möglichkeiten, auf unzureichende Futtervorräte zu reagieren, sind Veränderungen im Anbauplan 2019. Zwischenfruchtanbau von Futterroggen, Weidelgras oder Mischungen mit Weidelgras/Sommerwicke/Inkarnatklee bzw. Weidelgras/Alexandrinerklee/Phaselia auf ÖVF bieten sich an und erlauben möglicherweise noch eine Schnittnutzung in diesem Herbst und im Frühjahr 2019. Ob allerdings noch jeder Saatgutwunsch erfüllt werden kann, ist zweifelhaft. Ausgebrachtes und angekeimtes Saatgut, dem dann wieder das Wasser fehlt, muss natürlich vermieden werden.

Als letztes Mittel und teuerste Variante auf Futterknappheit zu reagieren, kommt die Bestandsreduktion in Betracht. Besonders Jungvieh, dass nicht zur Reproduktion benötigt wird, muss konsequent abgebaut werden. Merzungsraten in Kuhbeständen von 40 % und mehr sind unter den Aspekten Wirtschaftlichkeit, Tierwohl und Nachhaltigkeit nicht zeitgemäß und bieten Potential für Optimierungen. Wird mehr Jungvieh abgebaut, so bietet sich der Einsatz von gesextem Sperma an, um möglichst aus eigener Kraft Lücken im Bestand mit Tieren, die dem eigenen Zuchtziel entsprechen, zu füllen.

Kühe, die für monatlich ca. 300 € Milchgeldeinnahmen sorgen (30 kg x 30 Tage x 0,33 Ct/kg Milch), sollten als letzte in solche Überlegungen mit einbezogen werden. Arbeitswirtschaftliche Aspekte dürfen ebenfalls nicht außer Acht gelassen werden, vor allem dann, wenn es sich nur um vorübergehende Anpassungsreaktionen handelt.

Letztlich kann in jedem Betrieb nur durch eine Zusammenarbeit von Buchhaltung (zusätzliches Geld für Futterzukäufe), Pflanzenbau (kurz- und mittelfristiger Anbauplan) und Herdenmanagement (Bestandsoptimierung, -anpassung) den Herausforderungen begegnet werden.

Das Tätigkeitsfeld Milchviehspezialberatung der IAK wurde personell gestärkt, sodass wieder produktionstechnische und betriebswirtschaftliche Probleme bearbeitet werden können.

Des Weiteren empfehlen wir, in Zusammenarbeit mit den landwirtschaftlichen Beratern der IAK folgende Schwerpunkte zu bearbeiten:

- detaillierte Futterplanung für den Zeitraum bis 31.12.2019

- detaillierte Liquiditätsplanung

- daraus ableitend die Vorbereitung von Bankgesprächen.

Wir würden uns über eine vertrauensvolle Zusammenarbeit freuen und verbleiben bis dahin

Mit freundlichen Grüßen

Frank Rüdiger
Tel.: 034297 / 714 27
Tel.: 0174 / 33 49 862
Mail: f.ruediger@iakleipzig.de

Christian Schoibl
Tel.: 034297 / 714 24
Tel.: 0173 / 29 14 451
Mail: c.schoibl@iakleipzig.de

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