IAK Newsletter Milchproduktion 2/2019

von Christian Schoibl

Abgestimmtes Fahrsilomanagement bestimmt die Qualität der Silage

Großraumladewagen und Feldhäcksler sind technisch in der Lage, bis über 200 Tonnen Frischmasse in der Stunde zu bergen. Die Schlagkraft der Silierketten ist in den letzten Jahren deutlich gesteigert worden. Jedoch sind die Dimensionen der Silos bzw. das nötige Walzgewicht oft nicht vorhanden. Bei der Entnahme werden dann die Stellen mit Fehl- und/ oder Nachgärung sichtbar.

Diese Futterverluste können durch ein abgestimmtes Silomanagement vermieden werden.

   

Quelle: R. Resch

Berge- und Walzleistung

Die Abstimmung von Berge- und Walzfahrzeug muss gegeben sein. Das Walzfahrzeug ist der Schlüssel zum Erfolg und bestimmt das Tempo der/des Bergefahrzeuge(s).

Ein Walzfahrzeug kann ca. 15-20 t TM/h od. 50-60 t FM/h optimal verdichten.

Das nötige Walzgewicht lässt sich mit einer einfachen Formel errechnen:

Walzgewicht = Bergeleistung in Tonnen (Frischmasse) pro Stunde/3

Quelle: Dr. Nußbaum

 

Praktisches Beispiel:

Rotor-Ladewagen – 50 m³ Ladevolumen entspricht ca. 31 m³ nutzbares Volumen * 500 kg/m³ FM = ca. 15,5 Tonnen Frischmasse * 3 Fuhren/ Stunde ergibt ca. 46,5 t FM/h. Daraus ergibt sich ein Walzgewicht laut Formel von ca. 15,5 t.

50 m³ Rotorladewagen bei 2 Fuhren/Stunde = 10 t Walzgewicht

Feldhäckslerkette 150 Tonnen/Stunde = 50 t Walzgewicht (3 x 16,6 t Walzgewicht)

 

Regeln beim Verdichten

Die Walzgeschwindigkeit sollte bei 2,5 km/h bis max. 4 km/h liegen. Mindestens 2-3 Überfahrten pro Fuhre sind Voraussetzung für eine optimale Verdichtung. Die Erhöhung des Reifendruckes auf 2 bis max. 3,5 bar erhöht den Verdichtungsdruck der Silage. Schmale Bereifung der Walztechnik erhöht noch zusätzlich den Verdichtungsdruck im Silo. Keine Zwillingsbereifung verwenden!!!

Die Schichtdicken sollten maximal 20 cm betragen, da sonst die Tiefenwirkung der Verdichtung nicht mehr erreicht werden kann. Durch das Abladen mittels Dosiereinrichtung kann das Walzfahrzeug viel Zeit durch Verteilen einsparen und sich auf die Walzarbeit konzentrieren. Dies setzt jedoch voraus, dass eine Überfahrt der Bergetechnik möglich sein muss. Vor allem bei Großsiloanlagen wird das Erntegut in der Regel vor dem Silo abgekippt und mittels schwerer Technik hochgeschoben und verteilt. Eine gleichmäßige Verteilung des Erntegutes ist schwieriger und erfordert viel Kraft und Zeit. Außerdem kann während der Verteilung nicht ordentlich verdichtet werden.

Das Erntegut lässt sich bei optimalem Anwelkgrad (30-40 %) am besten verdichten.

Je kürzer das Erntegut geschnitten/gehäckselt wird, desto besser lässt sich das Futter verdichten.

Je trockener das Anwelkgut ist, desto kürzer muss geschnitten/gehäckselt werden!

Bei einem Anwelkgrad von über 45 % ist keine ordnungsgemäße Verdichtung zu realisieren.

Bei einer Bergeleistung von mehr als 60 t Frischmasse/h sollte bei größeren Fahrsilos mit zwei oder mehr Walzfahrzeugen parallel verdichtet und verteilt werden, da dort keine Gewährleistung für eine optimale Verdichtung mehr besteht.

Die Verdichtung der Silagen beeinflusst die Gärprozesse im Silo und vor allem die Lagerstabilität. Bei unzureichender Verdichtung kann verstärkt Sauerstoff durch die Anschnittfläche oder durch Undichtheiten in der Folie in den Futterstock eindringen. Die Menge des Lufteintrittes und die Eindringtiefe werden von Größe und Verteilung der Poren und Luftkanäle bestimmt.

Silierzusätze können den Silierprozess beeinflussen, wenn die Auswahl des Siliermittels fachlich korrekt an die jeweilige Erntesituation (TS-Gehalt, Siliergut) angepasst wird. Jedoch ohne eine ausreichende Verdichtung ist es schwierig, die Silagen stabil zu halten.

 

Quelle: R. Resch

 

Schmutz vermeiden

Die Einbringung von Schmutz in die Silagen vermindert den Futterwert. Die Siliereigenschaften verschlechtern sich durch die Pufferwirkung des Schmutzes. Buttersäurebakterien (Clostridien) werden vermehrt eingetragen und die Tiergesundheit und die Leistung der Tiere werden dadurch beeinträchtigt. Erhöht sich der Rohaschegehalt über 10 g/kg TM, bedeutet das 200 Liter Milch/Kuh und Jahr weniger Milchleistung aus dem Grundfutter.
Quelle: R. Resch

Die Einstellungen der Mäh-, Bearbeitungs- und Erntemaschinen sind deshalb zu beachten. Die Schnitthöhe beim Mähen von min. 7 cm sollte eingehalten werden.

Die Zufahrt zum Fahrsilo sollte sauber bzw. frei von Schmutz sein. Bei nicht optimalen Erntebedingungen wegen schlechter Witterung kann sehr viel Schmutz (Erde) über die Bereifung der Maschinen mitgenommen werden und landet schlussendlich dann auch im Silo.

 

Viel Erfolg bei der Futterernte!

Für Fragen stehen wir gerne zur Verfügung.

 

Zum Download: IAK Newsletter Milch 02/2019

 

Mit freundlichen Grüßen aus Leipzig

Christian Schoibl
Tel.: 0173 / 29 14 451
Mail: c.schoibl@iakleipzig.de

Frank Rüdiger
Tel.: 0174 / 33 49 862
Mail: f.ruediger@iakleipzig.de

 

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