IAK Newsletter Milchproduktion 10/2018

von Frank Rüdiger

 

Sehr geehrte Kunden der IAK Agrar Consulting,

 

liest man verschiedene Betriebsreportagen in den Kundenzeitschriften der Genetikanbieter oder in Fachzeitschriften wie „Holstein International“, so werden von Betriebsleitern/Herdenmanagern in den normalen Produktionsbetrieben vielfach folgende Zuchtziele angegeben: Mittelrahmige Kühe mit guten Fundamenten und Eutern, hohes Leistungspotential mit guten Managementeigenschaften (Fruchtbarkeit, Eutergesundheit, Melkbarkeit). Darüber hinaus richtet sich der Fokus bei der Bullenauswahl auf wichtige Einzelmerkmale wie z. B. Strichlänge und Strichplatzierung, um im Melkstand hohe Durchsätze zu erreichen.

Nach jeder Zuchtwertschätzung (ZWS) vermelden die Zuchtorganisationen unisono, wie erfolgreich der Datenlauf wieder für sie war – obwohl die meisten interessierten Milchviehhalter durchaus qualitative Unterschiede zwischen den erfolgreichen und weniger erfolgreichen Zuchtprogrammen festgestellt haben. Um diese Unterschiede auch im Stall zu erfahren, empfiehlt es sich daher, den Namen des Vaters sichtbar auf die Ohrmarke des Kalbes zu schreiben.

Die Kosten für Sperma und Besamung liegen lt. IAK-Orientierungswerten bei unter 1 Cent/kg ECM und bieten die Chance, bei geringem Aufwand einen wichtigen Beitrag zu einer erfolgreichen Milch-produktion zu leisten.

Als Milchproduzent steht man dank genomischer ZWS einem fast unüberschaubaren Angebot an töchtergetesteten und noch vielmehr genomischen Bullen gegenüber. Viele Betriebe haben sich mittlerweile an Spermaanbieter gebunden und überlassen ihnen Bullenauswahl, Anpaarung und Besamung. Diese Angebote sollten aber nicht dazu führen, dass man sich überhaupt nicht mehr mit dem Thema beschäftigt. Steht hinter diesem Dienstleistungsangebot ein wenig erfolgreiches Zucht-programm, kann sich dieses „Rundum-Sorglos-Paket“ als Missgriff erweisen, dessen Auswirkungen man aber erst in mehreren Jahren zu spüren bekommt. Um unliebsame Überraschungen zu vermeiden, definieren Sie entsprechend Ihren Bedingungen im Stall Mindestanforderungen für Zuchtwerte bis hin zu Ihnen wichtigen Einzelmerkmalen. Wenn z. B. ein Teil der Färsen schon mit verschlissenen Gliedmaßen aus der Jungviehaufzucht kommt, weil Fundamentzuchtwerte vernachlässigt wurden oder sich die Melker über schlechte Melkzeughaftung infolge kurzer Striche beschweren, ist es leider zu spät.

„Besuchen“ Sie doch mal Ihre frischgekalbten Jungkühe und stellen sich die Frage: Wer davon hat das Potential für > 30.000 kg Lebensleistung. Es kann sich durchaus lohnen, hin und wieder mal zu prüfen: Hat die bisherige Zusammenarbeit mit dem Spermaanbieter den gewünschten Erfolg gebracht oder scheiden zu viele Tiere z. B. aufgrund von Exterieurmängeln aus.

In einem Monat findet in Hannover wieder die EuroTier statt. Üblicherweise werden dort von den Genetikanbietern viele Bullen mit Preis- oder Naturalrabatten angeboten. Von diesen Bullen ist sicher nicht jeder uneingeschränkt verwendbar, wer sich aber die Mühe macht, die Angebote zu studieren, hat gute Chancen, passende Genetik preisgünstig zu erwerben. Damit man die Angebote wahrnehmen kann, empfiehlt es sich, die nächsten Wochen zu nutzen und den Spermabehälter etwas „leerzufahren“ oder auf der EuroTier die Lieferung von Teilmengen zu vereinbaren.

Mit freundlichen Grüßen aus Leipzig

Frank Rüdiger
Tel.: 0174 / 33 49 862
Mail: f.ruediger@iakleipzig.de

Christian Schoibl
Tel.: 0173 / 29 14 451
Mail: c.schoibl@iakleipzig.de

 

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