APD SEE unterstützt Pilotkooperation zwischen Hochschule Geisenheim University und Tikveš Winery (Nordmazedonien)
Im Rahmen des Agrarpolitischen Dialogs Deutschland – Südosteuropa (APD SEE), gefördert durch das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) und umgesetzt von der Regional Rural Development Standing Working Group (SWG) of South Eastern Europe sowie der IAK Agrar Consulting GmbH, besuchten vom 31.03. bis 02.04.2026 zwei Vertreter des Weinunternehmens Tikveš Winery aus Nordmazedonien die Hochschule Geisenheim University.
Ziel des Besuchs war, innovative Ansätze zur Verbindung von Weinbau und erneuerbaren Energien kennenzulernen und potenzielle Kooperationsfelder zu identifizieren.
Der Austausch ist Teil der strategischen Ausrichtung des APD SEE, die eine stärkere Einbindung des Privatsektors vorsieht. Dabei wird wissenschaftliche Expertise, vor allem aus Geisenheim und dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE, gezielt mit den praktischen Anforderungen und Investitionsplänen von Unternehmen aus Südosteuropa verknüpft.
Agri-PV im Fokus: Besichtigung der Versuchsflächen
Im Mittelpunkt des Besuchs stand die Besichtigung der Agri-Photovoltaik-Versuchsanlage der Hochschule Geisenheim. Die Anlage erstreckt sich über 3.125 m² und umfasst sowohl mit PV-Modulen überdachte Rebflächen als auch Kontrollparzellen ohne Überdachung. Mit einem Reihenabstand von 2,5 m und einem Pflanzabstand von 1,2 m dient sie der Untersuchung mikroklimatischer Effekte sowie der Wechselwirkungen zwischen Reben und Solarmodulen.
Prof. Manfred Stoll und Prof. Claudia Kammann erläuterten den Besuchern aus Nordmazedonien, der Oenologin Aleksandra Ristova und dem Ingenieur Nikola Janovski, den Vitivoltaikversuch – also den kombinierten Einsatz von Photovoltaik und Weinbau – der Hochschule Geisenheim.
Thomas Franke, der maßgeblich am Aufbau beteiligt war, erklärte verschiedene Konstruktionsweisen. Zum Einsatz kommen rund 550 semitransparente Glas-Glas-Module mit einer Transparenz von über 50%, die eine ausreichende Lichtdurchlässigkeit gewährleisten. Die Module sind auf nachgeführten Trackern montiert und ermöglichen unterschiedliche Verschattungsintensitäten, die softwaregesteuert und auf den Sonnenstand sowie die Anforderungen der Reben abgestimmt werden.
Wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Relevanz
Außerdem wurden aktuelle Forschungsergebnisse zur Vitivoltaik vorgestellt. In den Versuchen sollen die Möglichkeiten des Anbaus unter Agri-PV-Anlagen quantifiziert, Daten für den Wissenstransfer bereitgestellt und nachhaltige Formen der Landnutzung weiterentwickelt werden.
Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass Vitivoltaik einen wichtigen Beitrag zur Anpassung an den Klimawandel leisten kann. Vor allem der Schutz vor Sonnenbrand, der in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hat, wird hervorgehoben. Während es in Extremjahren in exponierten Lagen zu erheblichen Schäden kommt, trägt die partielle Verschattung durch PV-Module dazu bei, diese Risiken deutlich zu reduzieren.
Zudem zeigen sich positive Effekte auf die Traubengesundheit, z.B. durch eine geringere Anfälligkeit für Botrytis. Gleichzeitig ermöglicht die Steuerung der Lichtverhältnisse eine gezieltere Beeinflussung von Reifeprozessen. Auch wenn unter Agri-PV teilweise geringere Erträge beobachtet werden, wird dies durch eine höhere Qualität und einen größeren Anteil gesunder Trauben ausgeglichen.
Investitionspläne von Tikveš Winery und Perspektiven der Zusammenarbeit
Tikveš Winery plant, in Nordmazedonien eine eigene Vitivoltaik-Anlage zu errichten. Gründe sind die zunehmenden klimatischen Belastungen, vor allem Hitze und Sonnenbrand, sowie das Interesse an dezentraler, erneuerbarer Energie.
Im Rahmen des Besuchs wurden Kooperationsmöglichkeiten bei der Planung und Umsetzung des Vorhabens diskutiert. Tikveš Winery arbeitet u.a. mit zahlreichen kleineren Produzenten zusammen und ist am Aufbau eines Schulungszentrums für innovative Methoden und Technologien im Weinbau interessiert. Zudem bestehen Perspektiven für gemeinsame Forschungs- und Austauschformate, etwa durch Studierendenprogramme sowie durch die Einbindung in europäische Förderinitiativen.
Multifunktionale Landschaft und Wissenstransfer
Neben der technischen und wissenschaftlichen Dimension wurde auch die Rolle des Agrotourismus thematisiert. In den Partnerländern des APD SEE ist der Tourismus eine wichtige Einkommensquelle. Die Hochschule Geisenheim bietet hierfür ein anschauliches Beispiel: Auf dem Campus werden Versuchsanlagen durch Informationselemente erschlossen, die Besucher über Vitivoltaik, Biodiversitätsmaßnahmen, innovative Anbausysteme etc. informieren.
Fazit
Der Besuch unterstreicht die Bedeutung internationaler Kooperationen für die Entwicklung nachhaltiger und klimaresilienter Landwirtschaftssysteme. Der APD SEE fungiert als Plattform, um wissenschaftliche Erkenntnisse in konkrete Anwendungen im Privatsektor zu überführen und den Wissenstransfer zwischen Forschung und Praxis zu stärken.