Deutsch-brasilianischer Fachaustausch stärkt Innovation und Zusammenarbeit in der Agrarforschung
Vom 18.-25.04.2026 reiste eine hochrangige brasilianische Delegation aus Vertreterinnen und Vertretern des brasilianischen Landwirtschaftsministeriums (MAPA) um Augusto Billi, Staatssekretär für Handel und Internationale Beziehungen, sowie führenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern der Embrapa nach Deutschland, um im Rahmen einer wissenschaftlichen Fachinformationsfahrt (FIF) den Austausch mit deutschen Institutionen aus Politik, Forschung und Praxis zu intensivieren. Die Embrapa (Empresa Brasileira de Pesquisa Agropecuária) ist eine öffentliche Forschungsgesellschaft, die dem brasilianischen Landwirtschaftsministerium untersteht. Sie hat maßgeblich dazu beigetragen, Brasilien durch die Entwicklung tropischer Agrartechnologien von einem Nahrungsmittelimporteur in einen weltweit führenden Agrarexporteur zu verwandeln.
Organisiert und begleitet wurde die Reise vom Deutsch-Brasilianischen Agrarpolitischen Dialog (APD). Der APD Brasilien wird vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) gefördert und von der IAK Agrar Consulting GmbH durchgeführt.
Intensives Programm zwischen Berlin, Potsdam und Braunschweig
Die FIF begann mit einem Überblick über die deutsche Forschungslandschaft bei der Alexander von Humboldt-Stiftung in Berlin sowie einem Besuch des Leibniz-Instituts für Agrartechnik und Bioökonomie (ATB) in Potsdam. Hier standen v.a. Themen wie die Digitalisierung der Landwirtschaft und Bioökonomie im Mittelpunkt.
Im BMLEH wurde die Delegation von der parlamentarischen Staatssekretärin Martina Englhardt-Kopf empfangen. Im Mittelpunkt der Gespräche standen zentrale Fragen der agrarpolitischen Zusammenarbeit sowie nachhaltige Handelsbeziehungen, z.B. im Rahmen des EU-Mercosur-Abkommens. Bei einem High-Level-Event in der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) unter dem Titel „EU-Mercosur-Handelsabkommen und darüber hinaus: Bedeutung für Wirtschaft und Handel, Nachhaltigkeit sowie die Rolle der Bioökonomie – Perspektiven und Chancen für den deutschen und brasilianischen Agrarhandel“ wurden die Herausforderungen des Ausbaus des Agrarhandels zwischen dem Mercosur und der EU diskutiert.
Forschung, Innovation und Praxis im Fokus
Ein weiterer Schwerpunkt lag auf dem Besuch führender Forschungseinrichtungen in Braunschweig, darunter das Julius Kühn-Institut, die DSMZ (Deutsche Sammlung von Mikroorganismen und Zellkulturen) sowie das Thünen-Institut. Themen wie nachhaltige Pflanzenproduktion, Pflanzenschutz, Klimaanpassung, Biodiversität, Mikrobiologie und Biotechnologie standen im Mittelpunkt der Gespräche und Fachbesichtigungen.
Die Mitglieder der Delegation erhielten tiefe Einblicke in innovative Forschungsansätze, etwa in Pflanzengesundheit, Resistenzforschung, DNA-Sequenzierung und klimaresiliente Landwirtschaftssysteme. Gleichzeitig wurden konkrete Ansätze für zukünftige gemeinsame Forschungsprojekte und Kooperationen diskutiert.
Brücke zwischen Wissenschaft und Politik
Neben dem wissenschaftlichen Austausch spielte auch der politische Dialog eine zentrale Rolle: Ein Besuch beim Agrarausschuss des Deutschen Bundestages unterstrich die Bedeutung evidenzbasierter Politikgestaltung und die enge Verzahnung von Forschung und politischer Entscheidungsfindung.
Begleitende Diskussionen, u.a. im Rahmen des Annual Meeting 2026 der Agribusiness Innovation Initiative Brazil-Germany (AI), zeigten deutlich, dass die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Deutschland und Brasilien v.a. in den Bereichen Handel, nachhaltige Finanzierung und Digitalisierung weiter ausgebaut werden sollen.
Insbesondere die Bioökonomie spielt bereits seit Jahren eine herausragende Rolle in der bilateralen wirtschaftlichen Zusammenarbeit und gewinnt vor dem Hintergrund aktueller globaler Entwicklungen weiter an Bedeutung, v.a. für die Diversifizierung und Intensivierung von Handelsströmen.
Gemeinsame Lösungen für globale Herausforderungen
Die FIF verdeutlichte eindrucksvoll, wie wichtig der internationale Austausch für die Entwicklung nachhaltiger, innovativer und resilienter Agrarsysteme ist. Durch den intensiven Dialog zwischen Wissenschaft, Politik und Wirtschaft wurden nicht nur bestehende Partnerschaften gestärkt, sondern auch neue Impulse für zukünftige Kooperationen gesetzt – mit dem Ziel, gemeinsam Lösungen für globale Herausforderungen wie Klimawandel, Ernährungssicherheit und nachhaltige Wertschöpfung zu entwickeln.