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Digitalisierung in der Landwirtschaft – warum kommen wir nur langsam voran?

Zum Thementag Digitalisierung, Organisation und Ausrichtung landwirtschaftlicher Unternehmen der Leipziger Ökonomische Societät e.V. war Dr. Martin Schneider, Geschäftsführer der IAK Agrar Consulting GmbH, eingeladen, den Impulsvortrag von Prof. Thomas Herlitzius mit einem Statement aus Beratungsperspektive zu flankieren.

Hier das Statement von Dr. Schneider:

Meine drei zentralen Thesen:

1. Digitalisierung als Schlüssel für Nachhaltigkeit

Richtig genutzt, steigert Digitalisierung die Nachhaltigkeit landwirtschaftlicher Betriebe – ökonomisch, ökologisch und sozial. Sie ist unverzichtbar, um die Branche voranzubringen.

2. Hürden in der Praxis

In meiner Beratungspraxis sehe ich jedoch: Viele digitale Angebote sind qualitativ schwach, Einzelsysteme oft nicht ausreichend vernetzt. Strategische Ursachen liegen darin, dass Datenmanagementsysteme meist maschinenzentriert entwickelt werden, statt den gesamten Managementkreislauf abzubilden.

3. Ernüchterung bei den Nutzerinnen und Nutzern

Die stark variierende Qualität am Markt führt bei Landwirtinnen und Landwirten häufig zu Ratlosigkeit und Resignation. Wir stecken fest. Besonders kritisch ist, dass viele Systeme im Alltag bei der Dokumentation enden. Die notwendige Auswertung und der Soll-Ist-Abgleich bleiben aufgrund isolierter „Datensilos“ zeitaufwendig und werden in der Praxis oft nicht umgesetzt.

Damit Digitalisierung echten Mehrwert bietet, muss sie den gesamten Managementkreislauf vereinfachen – von der Zielsetzung, Planung und Umsetzung über die Dokumentation und Auswertung zurück zur Zielsetzung.

Vorteile der Digitalisierung:

Für mich ist Digitalisierung kein Selbstzweck – sie unterstützt Unternehmerinnen und Unternehmer dabei, ihre Ziele effizienter zu erreichen. Richtig eingesetzt, bringt sie spürbare Verbesserungen durch:

  • Ökonomische Nachhaltigkeit und Effizienz: Optimierung der Ertrags-Aufwands-Relationen
  • Ökologische Nachhaltigkeit: bessere Umweltverträglichkeit und Vermeidung von Resistenzen
  • Erleichterung der Betriebsführung: automatische Dokumentation, verbessertes Controlling, höhere Transparenz und Entlastung der Betriebsleitung

Lösungsansätze:

Um das volle Potenzial zu heben, sehe ich mehrere Hebel:

  • Fundierte Aus- und Weiterbildung der Anwenderinnen und Anwender für bessere Entscheidungen
  • „Betreutes Datenmanagement“ durch Dienstleister, bis Systeme wirklich automatisch funktionieren – mit einer zentralen Rolle der Beratung
  • Stärkerer Nachfragedruck auf Anbieter, vernetzte Komponenten zu liefern
  • Einführung eines unabhängigen Smart-Farming-TÜV, um Landwirtinnen und Landwirten objektive Entscheidungshilfen zu bieten

Mein Fazit:

Digitalisierung muss sich für landwirtschaftliche Betriebe durch höhere Effizienz, bessere Umweltverträglichkeit und eine spürbare Vereinfachung der Betriebsführung auszahlen.

Beispiel Smart Farming:

Vergleich der Anbieter von teilflächenspezifische Maisaussaatkarten

22.08.2025
Inland