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Multiresistente Schadgräser erfolgreich im Blick: Nachlese zum IAK-Feldtag

IAK-Feldtag auf dem Landwirtschaftsbetrieb Wolter

Am 29.05.2026 fand auf dem Landwirtschaftsbetrieb Wolter in Thürungen (Sachsen-Anhalt) der erste IAK-Feldtag statt. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand ein mehrjähriger Praxisversuch zur Bekämpfung multiresistenter Weidelgräser. Gemeinsam mit Landwirtinnen und Landwirten, Vertreterinnen und Vertretern aus Industrie und Handel sowie Fachleuten aus Pflanzenschutz und Resistenzmanagement wurden aktuelle Herausforderungen und mögliche Lösungsansätze diskutiert.

Der zunehmende Besatz von Schadgräsern wie Ackerfuchsschwanz, Windhalm oder Welschem Weidelgras stellt viele Ackerbaubetriebe vor erhebliche pflanzenbauliche und wirtschaftliche Herausforderungen. Besonders problematisch wird die Situation, wenn Resistenzen gegenüber mehreren Herbizidwirkstoffen auftreten und etablierte Bekämpfungsstrategien an ihre Grenzen stoßen.

Wie groß diese Herausforderung mittlerweile geworden ist, zeigte sich am Beispiel des Landwirtschaftsbetriebs Wolter. Auf einzelnen Teilflächen wurden Besatzdichten von mehr als 800 Weidelgraspflanzen je m2 festgestellt. Eine anschließend durchgeführte Resistenzuntersuchung bestätigte den Verdacht, dass wichtige Wirkstoffgruppen nur noch eingeschränkt wirksam sind. Um eine nachhaltige Lösung zu finden, wurden alternative Verfahren gesucht. 

Vor diesem Hintergrund wurde gemeinsam mit der IAK Agrar Consulting GmbH ein mehrjähriger OFR-Versuch (On-Farm Research) initiiert. Ziel ist, verschiedene Anbauverfahren und Bekämpfungsstrategien direkt unter Praxisbedingungen zu testen und daraus belastbare Handlungsempfehlungen für landwirtschaftliche Betriebe abzuleiten.

Versuch direkt in die Praxis integriert

Versuchsaufbau

Nach der Ernte der Vorfrucht Winterweizen wurde der Versuch in Wintergerste angelegt. Die Versuchsanlage erfolgte nach dem OFR-Prinzip, sodass die Untersuchungen direkt in die betriebliche Praxis integriert werden konnten. Jede Versuchsparzelle erstreckt sich über die gesamte Länge einer Fahrgasse und entspricht der vollen Arbeitsbreite der Pflanzenschutztechnik. Dadurch entstehen Ergebnisse unter realen Bewirtschaftungsbedingungen. 

Verglichen werden drei Anbauverfahren:

  • Falsches Saatbett 
  • Direktsaat 
  • Betriebseigenes Verfahren mit Pflugeinsatz 

Jedes Verfahren wurde in vier Wiederholungen angelegt, sodass insgesamt zwölf Versuchsparzellen ausgewertet werden können. Zusätzlich wurde im Vorgewende eine Kleegrasmischung etabliert, um den Einfluss von Feldfutter und mehrjährigem Futterbau auf die Unterdrückung von Weidelgras zu untersuchen.

Erste Ergebnisse und Tendenzen

Zur Bewertung der Verfahren wurden die Bestandsdichte der Wintergerste sowie die Befallsdichte des Welschen Weidelgrases im Herbst und Frühjahr ausgezählt. Bereits die ersten Ergebnisse zeigen, dass alle Verfahren zu einer deutlichen Reduzierung des Weidelgrasbesatzes beitragen konnten (siehe Abbildung).

Während die endgültige Bewertung erst nach der Ernte erfolgen wird, zeichnen sich bereits Unterschiede hinsichtlich Bestandsentwicklung, Bekämpfungserfolg und Wirtschaftlichkeit ab. Eine vollständige Auswertung einschließlich der Prozesskosten und Ertragsdaten soll nach Abschluss des Versuchsjahres erfolgen.

Fachlicher Austausch beim Feldtag

Zur Vorstellung des Versuchs auf dem Landwirtschaftsbetrieb Wolter beim IAK-Feldtag kamen Vertreterinnen und Vertreter aus Landwirtschaft, Beratung, Industrie und Handel sowie Fachleute aus Pflanzenschutz und Resistenzmanagement zusammen, um sich über die aktuelle Situation auf den Versuchsflächen und mögliche Lösungsansätze auszutauschen. Nach der offiziellen Begrüßung stand zunächst die gemeinsame Besichtigung der Versuchsflächen im Mittelpunkt. Direkt am Feldrand wurden die Ausgangssituation, die Ergebnisse der Resistenzuntersuchungen sowie die Anlage und Zielsetzung des mehrjährigen OFR-Versuchs vorgestellt. Dabei bot sich den Teilnehmerinnen und Teilnehmern die Möglichkeit, die verschiedenen Anbauverfahren unmittelbar im Bestand zu vergleichen und Fragen zur praktischen Umsetzung sowie zu den bisherigen Beobachtungen zu diskutieren. 

Im weiteren Verlauf der Veranstaltung wurden die fachlichen Inhalte durch Vorträge und Technikpräsentationen ergänzt. Die IAK stellte neben dem Versuchsansatz auch ihr betriebliches Controlling-Programm FarmAxis vor. Anschließend präsentierte die DSV AG in einem umfangreichen Vortrag Strategien zur Bekämpfung von Weidelgräsern mithilfe von Saatgutmischungen und mehrjähriger Schnittnutzung. An den Ständen von KUHN GmbH und Mechan Deutschland GmbH konnten sich die Besucherinnen und Besucher über aktuelle Lösungen der mechanischen Unkrautbekämpfung informieren. Zudem wurde die Rolle der Köckerling GmbH hervorgehoben, die mit der Sämaschine Ultima 600 maßgeblich zur Anlage des Versuchs beigetragen hat und die Fortführung der Anbauversuche weiter begleiten wird.

Beim anschließenden gemeinsamen Mittagessen nutzten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Gelegenheit für vertiefende Fachgespräche und den Austausch eigener Praxiserfahrungen. Gerade die Kombination aus wissenschaftlich begleiteten Versuchsergebnissen, praktischen Vorführungen und offenen Diskussionen machte den Feldtag zu einer wertvollen Plattform für Wissenstransfer und Erfahrungsaustausch. 

Der Umgang mit resistenten Schadgräsern bleibt eine der großen Zukunftsaufgaben im Pflanzenbau. Um langfristig wirksame Bekämpfungsstrategien zu entwickeln, sind weitere Innovationen, praxisnahe Forschung und ein enger Austausch zwischen Landwirtschaft, Beratung, Industrie und Wissenschaft unerlässlich.

Ein besonderer Dank gilt dem Landwirtschaftsbetrieb Wolter für die Bereitstellung der Versuchsfläche sowie die hervorragende Organisation und Verpflegung während des Feldtages. Ebenso bedankt sich die IAK bei allen beteiligten Unternehmen, Referenten und Gästen für den fachlichen Austausch und die Unterstützung bei der Durchführung der Veranstaltung.

Ausblick

Mit dem Feldtag und der bevorstehenden Ernte der Wintergerste endet das Projekt jedoch nicht. Die bisherigen Ergebnisse bilden vielmehr die Grundlage für die Fortführung der Versuchsreihe in den kommenden Jahren. Bereits im nächsten Anbaujahr wird der Versuch in Winterraps weitergeführt, um die Auswirkungen der verschiedenen Anbauverfahren unter veränderten pflanzenbaulichen Bedingungen zu untersuchen. Zusätzlich sollen neue Fragestellungen in die Versuchsarbeit integriert werden. Dazu zählen u.a. unterschiedliche Verfahren der Einzelkornablage sowie die stärkere Einbindung mechanischer Bekämpfungsmaßnahmen. Hierzu wird die KUHN GmbH ihre Hacktechnik in die Versuchsarbeit einbringen und die Untersuchung kombinierter ackerbaulicher, chemischer und mechanischer Strategien unterstützen. 

Die bisherigen Erkenntnisse zeigen bereits, dass die Bekämpfung multiresistenter Schadgräser einen langen Atem erfordert. Ein nachhaltiger Bekämpfungserfolg kann nicht durch einzelne Maßnahmen oder innerhalb eines einzelnen Anbaujahres erreicht werden. Entscheidend ist vielmehr die mehrjährige und konsequente Umsetzung integrierter Anbaustrategien. Nur durch die langfristige Anpassung von Fruchtfolge, Bodenbearbeitung, Aussaatverfahren sowie chemischen und mechanischen Bekämpfungsmaßnahmen lassen sich Schadgraspopulationen dauerhaft reduzieren und die Produktivität der Standorte sichern.

Ziel der mehrjährigen Versuchsreihe ist es daher, belastbare Erkenntnisse für die Praxis zu gewinnen und daraus wirtschaftlich tragfähige Handlungsempfehlungen für Betriebe mit vergleichbaren Herausforderungen abzuleiten. Die IAK freut sich darauf, die weiteren Ergebnisse zu erarbeiten und beim nächsten Feldtag vorstellen zu können.

Feldtagsführer zum Download

Sie möchten mehr über den Versuchsaufbau, die Resistenzuntersuchungen und die ersten Ergebnisse erfahren? Im Feldtagsführer zum IAK-Feldtag finden Sie weiterführende Informationen und Hintergrunddaten zum mehrjährigen Praxisversuch auf dem Landwirtschaftsbetrieb Wolter.

Feldtagsführer herunterladen

Ihr Ansprechpartner

Frederik Vielhauer, Pflanzenbauberater der IAK Agrar Consulting GmbH

f.vielhauer@iakleipzig.de

01.06.2026
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