Wie gestaltet Deutschland seine Wälder nachhaltig und multifunktional – und welche Impulse lassen sich für die Ukraine ableiten?
Die Delegation
Die Studienreise führte die Teilnehmenden vom 08.-12.09.2025 nach Berlin und Brandenburg. Zur Delegation um Oleg Bondarenko, Vorsitzender des Ausschusses für Umweltpolitik und Naturnutzung der Werchowna Rada (ukrainisches Parlament) gehörten Akteurinnen und Akteure der ukrainischen Politik, Verwaltung, Wissenschaft und Forstpraxis, u.a. Oleksandr Matusewytsch, Ihor Martschnuk und Wolodymyr Buchko sowie Vertreterinnen und Vertreter des Umweltministeriums, der Staatlichen Forstagentur, des Staatlichen Dienstes für Geodäsie, Kartografie und Kataster, der Regulierungsbehörde sowie verschiedener Universitäten und Forschungseinrichtungen.
Politik und Verwaltung in Berlin
Zunächst informierte sich die Delegation im Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) über die deutsche Forstpolitik, die nationale Waldinventur und die Anforderungen der EU an eine nachhaltige Waldbewirtschaftung. Das Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) stellte die Bedeutung von Wäldern für Biodiversität und Klimaschutz in den Mittelpunkt. Abgeordnete des Deutschen Bundestages erläuterten den rechtlichen Rahmen für Forst- und Umweltpolitik.
Austausch mit Verbänden
Danach folgte der Dialog mit zentralen Organisationen der Branche. Der Deutsche Forstwirtschaftsrat (DFWR), die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW), der Deutsche Holzhandelsverband (GD Holz) sowie der Deutsche Städte- und Gemeindebund (DStGB ) stellten ihre Aufgaben, Strukturen und aktuellen Herausforderungen vor. Die Gespräche verdeutlichten, wie vielfältig die Interessen in der deutschen Forst- und Holzwirtschaft sind und wie eng sich Politik, Wirtschaft und Verwaltung zu den verschiedenen Themen miteinander austauschen.
Brandenburg: Praxisnaher Einblick
Einen besonderen Schwerpunkt bildete der Besuch in Brandenburg. Das dortige Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz stellte die Verwaltungsstrukturen und Reformprozesse der vergangenen Jahre vor, während der Landesforstbetrieb Brandenburg seine Ziele und Besonderheiten in der Waldbewirtschaftung erläuterte. Im Forstkompetenzzentrum Eberswalde (LFE) stand die Verbindung von Wissenschaft und Praxis im Vordergrund. Hier wurde gezeigt, wie Forschungsergebnisse zur Anpassung der Wälder an den Klimawandel in politische Entscheidungen und waldbauliche Maßnahmen einfließen.
Ein Höhepunkt war die Exkursion „Waldvision 2050“, die den Teilnehmenden anhand praktischer Beispiele einen Ausblick auf die künftige Entwicklung der brandenburgischen Wälder gab.
Forschung und Innovation
Am Thünen-Institut in Eberswalde wurden Methodik und Nutzen der nationalen Waldinventur vorgestellt. Diese liefert die Datenbasis für politische Entscheidungen und langfristige Strategien. Im Forstamt Chorin standen konkrete Fragen der Waldbewirtschaftung im Fokus: von Waldschutzmaßnahmen über nachhaltige Bewirtschaftungsformen bis hin zur multifunktionalen Nutzung der Wälder.
Holzindustrie und Märkte
Zum Abschluss der Reise richtete sich der Blick auf die wirtschaftliche Dimension des Forstsektors. Beim Hauptverband der Deutschen Holzindustrie (HDH) informierte sich die Delegation über aktuelle Entwicklungen im Holzhandel, die Umsetzung der EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) sowie das deutsche Holzhandelsgesetz. Außerdem stellte der Deutsche Forstverein (DFV) seine Arbeit vor und verdeutlichte seine Rolle als Fachgesellschaft zwischen Wissenschaft, Praxis und Politik.
Auch Oleksii Makeiev, Botschafter der Ukraine in der Bundesrepublik Deutschland, traf die Delegation und tauschte sich mit ihr über die aktuellen Herausforderungen der Holzindustrie und der Märkte vor dem Hintergrund der EU-Regelungen aus.
Organisatorischer Rahmen
Die Studienreise wurde im Rahmen des Bilateralen Kooperationsprogramms (BKP) des BMLEH mit Unterstützung des Deutschen Forstvereins e.V. organisiert. Sie ist Teil des Projekts Sustainable Forestry Implementation (SFI), das vom BMLEH gefördert und vom Konsortium IAK Agrar Consulting GmbH (Federführer) und unique land use GmbH umgesetzt wird.